Im Rahmen der “Sommernachtsbibliothek 2011” zeigen die “stillen hunde” im Innenhof der Zentralbibliothek das Stück “Der Drachentöter”, eine Komödie in sieben Bildern nach den alten Heldengesängen.
Die Sage vom Siegfried – sehr frei nacherzählt
vom Wandertheaterbetreiber Alberto Kniff
Dass Kunst allein nicht satt macht, davon kann der Wandertheaterbetreiber Kniff ein Lied singen. Ja, die brotlose Kunst wird bei ihm zur Stütze eines einträglicheren Gewerbes – eine notwendige Dreingabe zu den Dingen, die er verhökert. Das Theater muss herhalten, um schlichten Schnaps und gekochte Eier an den Mann und die Frau zu bringen. Also steht die Sage vom Ursprung dieser als lebensverlängernd angepriesenen Köstlichkeiten auf dem Spielplan. Gespielt wird – und das ist Kniff seinem Ego schuldig – nur Hochkultur. Kleine Brötchen backt Herr Kniff nicht, kulturell gesehen. Die alte Erzählung vom Recken Siegfried, seinem Kampf gegen den Drachen, der Erwerb eines Goldschatzes und der anschließende Aufstieg zu Ritterehren und Prinzenwürde ist gerade gut genug für sein Talent.
Herr Kniff bringt also – natürlich in eigener Textfassung – Welthistorie auf die Bühne. Normalerweise tut er das mit sich selbst als einzigem, den Anforderungen der großen Rollen genügenden Darsteller. Genaugenommen bleibt ihm auch nichts anderes übrig, denn seine Truppe ist durch seinen rüden Umgang mit Personal auf einen einzigen Mitarbeiter geschrumpft, den im Oberstübchen nicht gerade hellen Herrn Schalentier. Der hat eigentlich nur die Bühne zu fegen, Kaffee zu kochen, den Vorhang auszubürsten und seinem Chef alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Nur ab und zu, wenn es gar nicht anders geht, darf er neben dem Meister auf den Brettern stehen – als Stichwortgeber.
Aber es kommt der Tag, wo er dem Sklavendasein entkommt, zumindest für eine Stunde im Reich der Fantasie. Denn in der Rolle des Helden Siegfried nimmt er das Schwert in die Hand und damit die Macht über beinahe alles, was auf dem Theater geschieht: Siegfrieds einstige Heldentaten werden so zu Herrn Schalentiers aktuellen Triumphen – und der gute Herr Kniff hat alle Mühe, die Geschichte einigermaßen auf dem Gleis seines Dramas zu halten. Dass das nicht ohne Blessuren abgeht, versteht sich selbst. Aber nicht nur die Kunst erleidet beträchtlichen Schaden, sondern auch die Akteure, die über fast jede Hürde der alten Sage stolpern und sich nicht nur an Drachenatem, gut beheizten Jungfrauenfelsen und heißer Liebe die Finger verbrennen.
Samstag, 25. Juni, 20:30 Uhr
Eintritt: 12 EUR, ermäßigt 8 EUR
Besucher mit Bibliotheksausweis erhalten zusätzlich einen Rabatt von 2 EUR!
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